ORDEN INTERNATIONAL

SACRE COEUR GRAZ

Der weltweite Aufbruch & die Ausbreitung

 

Philippine Duchesne war zugleich Mystikerin und eine unerschrockene Pionierin und bildete den Auftakt einer langen Reihe von Ordensfrauen, die das besondere Charisma der Gesellschaft vom Heiligen Herzen Jesu in entfernte Länder tragen sollten: nach Nord- und Südamerika, nach Ägypten, Indien, Korea, China, Japan und Afrika. Aber auch Mutter Barat, die selber niemals Europa verlassen sollte, hatte noch weite Reisen vor sich.

  Um 1820 umfaßte die Gesellschaft dreizehn Niederlassungen, und das Mutterhaus, das seit vier Jahren in der Rue des Postes in Paris gewesen war, erwies sich als zu klein. Man ging auf die Suche nach einem Haus, das groß genug war, um Mutterhaus, Schule und Noviziat in sich aufzunehmen, und erhielt schießlich für nur 700000 Francs das sogenannte Hotel Biron angeboten - ein prächtiges, herrschaftliches Gebäude mit einer wenig erfreulichen Vergangenheit. Mit der Hilfe guter Freunde und Wohltäter, unter denen sich auch der französische König befand, wurde der Kauf getätigt. Von nun an stand die Gesellschaft im Rampenlicht. Die Schwestern selbst waren zwar in den Dienerwohnungen über den Ställen untergebracht, doch ein Besitz, der so luxuriös wirkte, musste Kinder einer Gesellschaftsschicht anziehen, die sich seit der Restauration wieder bewusst von den anderen abgrenzte. Die Entscheidung für das Hotel Biron beeinflusste also auf lange Zeit hinaus die konkrete Gestalt, die das Erziehungsapostolat der Gesellschaft annehmen sollte.
Pater Varins letzte Worte zu diesem Thema konnten zugleich als Richtschnur für alle späteren Gründungen dienen: »Ihr Ursprung war gering, und Sie werden nur überleben, wenn Sie arm bleiben. Nichts ist zu gut für Gott und den Dienst am Altar; knausern Sie an nichts, was die Liebe zum Nächsten und zu den Kindern fordert. Aber was Sie selbst betrifft, muss alles arm sein: Ihre Kleidung, Ihr Essen, Ihre Unterbringung.«

Wie Mutter Barat bereits vorausgesehen hatte, gingen Gerüchte um, und von der armen kleinen Mission in Louisiana kamen besorgte Kommentare über das Hotel Biron. Die Generaloberin beruhigte die Schwestern auf ihre eigene Weise: »Übrigens wollte ich Ihnen noch sagen, daß die Bemerkungen zum Kauf des Hotel Biron, das Sie gegenüber Pater Barat und Gott weiß wem sonst noch gemacht haben, unangebracht waren, um es vorsichtig auszudrücken. Gott sei Dank leben wir hier nicht besser als anderswo, und die Zimmer der Stalljungen, in denen wir wohnen, sind alles andere als großartig. Ich hoffe, dass wir auch hier die Armut leben werden, und ich glaube nicht, dass eine von uns mehr an diesem Haus hängt als an dem ärmsten unserer Klöster.
Wir mussten einen Ort finden, wo wir leben konnten, und konnten nichts anderes bekommen; deswegen hat sich der Generalrat für diesen Kauf entschieden. Wenn ich wählen könnte, fiele es mir zweifelsohne nicht schwer, zwischen Ihrem bescheidenen Haus und dem unseren zu wählen. Danken Sie Gott, dass er Ihnen den besseren Teil gewährt hat, und beten Sie für Ihre Mutter, die es bis ans Ende ihres Lebens bedauern wird, dass sie nicht mit nach Louisiana gehen konnte.«

Von der Gründung in Louisiana aus begann die Gesellschaft sich in Nordamerika auszubreiten. Trotz Armut und Isolation nahm die Zahl der Schwestern zu. Für Mutter Barat gab es derweil viel Mühe und Aufregung mit den stürmischen Anfängen der Schulen in Chambéry, Turin, Lyon und Bordeaux. Im November 1821 übernahm die Gesellschaft die Benediktinerabtei von Le Mans, wo die Gegner der Revolution endgültig besiegt worden waren. Im Frühjahr darauf wurde eine kleine Kommunität nach Autun geschickt, in ein ehemaliges Kloster von der Heim-suchung, das seitdem als Gefängnis und Krankenhaus gedient hatte. »Die Zimmer waren vollgestopft mit Schießpulver, Feuerwaffen und Kanonen. Die Schwestern mussten mit Schubkarren kommen, aber im September war das Haus so weit, dass die Schule anfangen konnte.« Im Juni wurde eine Niederlassung in Besançon errichtet, und im April schlossen sich mehrere Nonnen einer anderen Ordensgemeinschaft in Metz der Gesellschaft an, so dass vier Gründungen in vier Jahren zustande kamen. Es war eine Zeit des Wachstums, und als Mutter Barat 1865 starb, gab es bereits 120 Häuser in sechzehn verschiedenen Ländern