ORDEN INTERNATIONAL

SACRE COEUR GRAZ

Liebe & Fürsorge

 

Diejenigen, die die Schülerinnen unterrichteten und ihren Geist formen sollten, brauchten nicht nur Wissen. Da sie zu einer wahren Liebe zu Jesus hinführen sollten, mussten sie selber aus der Liebe zu Gott und den Menschen leben.

  Mutter Barats Konstitutionen, die der Generalrat von 1815 angenommen hatte, erinnerten die Ordensfrauen immer wieder daran, »dass sie die Kinder, die ihrer Fürsorge übergeben waren, als das Kostbarste ansehen sollten, das die Liebe Jesu Christi ihnen anvertrauen konnte.« »Sie sollten immer eine wahrhaft mütterliche Liebe für sie empfinden, aber eine, die ganz aus dem Herzen ihres Herrn gewonnen ist.« Schließlich sollten sie »bei den Kindern nur jenen Eigenschaften und Vorzügen Beachtung schenken, die sie in den Augen Gottes groß erscheinen lassen. Sie sollen in ihnen immer Seelen sehen, die mit dem Blut Jesu Christi freigekauft und dazu bestimmt sind, auf ewig mit ihm zu herrschen.«

Als eine Generation nach der anderen die Klosterschule verließ, um ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen, zeigte sich ein unauffälliges, aber eindrucksvolles Phänomen. Immer mehr Frauen wünschten die Beziehung zu den Schwestern, die sie früher erzogen und ausgebildet hatten, aufrechtzuerhalten. Sie waren die ersten »Ehemaligen« des Ordens und damit die Vorläufer einer aktiven und wahrhaft internationalen Vereinigung, die noch heute besteht und den Namen AMASC (Association Mondiale des Anciennes de Sacré-Coeur) trägt.

Obwohl es also schon aus technischen Gründen nicht einfach war, in Verbindung miteinander zu bleiben, und obwohl die Ordensfrauen damals isolierter von ihrer Umwelt lebten als heute, gelang es Mutter Barat, die Realität im Auge zu behalten und die manchmal bedrohlichen politischen Umstände zu überblicken, unter denen ihre Schwestern leben und arbeiten mussten. Bei einer Gelegenheit war Mutter du Rousier in Turin gezwungen, die Kinder nach Hause zu schicken und mit ihrer Kommunität in Verkleidung und zu Fuß über die Alpen zu fliehen. (Mutter du Rousier sollte später die erste Missionarin der Gesellschaft in Lateinamerika werden.) Die Französische Revolution hatte einen Gärungsprozeß in Gang gebracht, der auch später immer wieder Konflikte und Spannungen auslöste und so Rückwirkungen auf das Dasein derjenigen hatte, die »eingeschlossen« im Kloster lebten. Eine solche Situation stellte übergroße Forderungen an das Verständnis der Generaloberin, ihren Takt und ihre Entscheidungs-kraft. 1839 kamen erneut innere Spannungen hinzu, die den zukünftigen Weg des Ordens vorübergehend in Frage stellten. In dieser Lage der zunehmenden Bedrohung von innen und außen weihte Mutter Barat die Gesellschaft der schmerzensreichen Mutter Maria.

1850 starb Pater Varin, der Mutter Barat und ihrem Orden soviel bedeutet hatte. Vier Jahre später schickte ihr sein Biograph ein Exemplar seines Buches. Sie antwortete: »Ich kann nicht umhin zu wünschen, Sie hätten das, was mich betrifft, ausgelassen oder es zumindest in einem wahreren Licht dargestellt. Es scheint eine Anmaßung zu sein, von mir als Gründerin zu sprechen, und es schmerzt mich, weil es mir nicht zukommt. Ich bin nur ein schwaches Werkzeug gewesen; was wäre aus dem kleinen Senfkorn geworden ohne den unermüdlichen Eifer meiner Gefährtinnen und der erleuchteten Leitung jener, die mich begleitet und geführt haben? Da es nun zu spät ist, den Fehler zu korrigieren, soll er mir wenigstens als Ansporn in meiner Schwachheit dienen. Ich bitte Sie, mir durch Ihr Gebet dabei zu helfen.«