ORDEN INTERNATIONAL

SACRE COEUR GRAZ

Werkzeug Jesu & Führung des Geistes

 

Mutter Barat litt oft an Fieberanfällen und anderen Krankheiten, woran wahrscheinlich auch die physischen Strapazen während ihrer vielen Reisen und die unhygienischen Gasthäuser, in denen man kein Auge zutun konnte, schuld waren.

 

  Eine schwere Infektion in einem Fußknochen verursachte ihr lange Zeit hindurch heftige Schmerzen. Mehrere Wochen lang musste sie einen Korb auf Rädern benutzen, um sich fortbewegen zu können. 1854 stürzte sie und brach sich den Arm, was sie vorübergehend am Briefeschreiben hinderte. Ihr einziger Kommentar dazu war: »Nun gut! Die Zeit, die ich jetzt übrig habe, bekommt der Herr.«

Ähnlich wie die heilige Teresa von Avila – ebenfalls eine Mystikerin, die ständig auf Reisen war - wußte Mutter Barat, wie sie inmitten unausgesetzter Tätigkeit Zeit für Gott gewinnen konnte. Im Rahmen des Kirchenjahres folgte sie Jesus von seiner Geburt bis zu seinem Tod und seiner Auferstehung. In einer Haltung ehrfürchtiger Anbetung strebte sie danach, seine innersten Gedanken und Gefühle zu teilen. Sie war davon überzeugt, dass die Betrachtung seines Herzens den Menschen empfänglich für den Heiligen Geist macht: man ist mehr und mehr dazu bereit, das neue Gesetz des Herzens Jesu über sein eigenes Herz bestimmen zu lassen.

Einmal beschrieb Mutter Barat einen Menschen, der sich dem Handeln des Heiligen Geistes ganz geöffnet hat. Damit charakterisierte sie unwissentlich sich selbst: »Eine Seele, die sich völlig der Führung des Heiligen Geistes unterwirft, hat die geheimnisvolle Gabe, Herzen zu erschließen. Da sie nicht aus sich selbst heraus handelt, schaut sie nicht auf sich selbst zurück. Sie ist sich nicht dessen bewusst, dass sie Gutes tut, in einem gewissen Sinn läßt sich sogar sagen, dass sie ohne besonderes Verlangen danach ist, Gutes zu tun. Oder besser ausgedrückt: sie hat nur einen Wunsch, nämlich den Anregungen des Heiligen Geistes zu folgen und ihm in allem zu gehorchen. Nichts kann sie beunruhigen oder ihr ihren tiefen Frieden nehmen. Was Erfolg oder Mißerfolg angeht, so überläßt sie ihm beides. Ob sie nun wichtige Aufgaben ausführt oder ob man sie vergißt, übergeht, als nutzlos ansieht, sie tut Gottes Willen und ist völlig gelassen. Ihre Liebe ist unüberwindlich und wertvoller, als sich in Worten ausdrücken läßt. Wenn nun ein einziger solcher Mensch glücklich zu schätzen ist, wer könnte dann das Glück einer Ordensgesellschaft beschreiben, in der jedes Mitglied sich so der Führung des Heiligen Geistes überläßt. Es wäre ein Vorgeschmack des Himmels!«